Montag, 21. Dezember 2015
Dienstag, 15. Dezember 2015
Montag, 7. Dezember 2015
Das Loch in meinem Leben
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Der Welt geht es nicht gut - überall Krieg, Terror, Chaos, Radikalisierung - und ich trauere um unseren Obst- und Gemüseladen.
Seit einer Woche ist er geschlossen. Die Rolläden gingen nur noch einmal hoch, am Samstag, zu einer fulminanten Abschiedsparty.
Jetzt ist Schluss und mein Alltagsgefüge ist empfindlich gestört. Heute ist Montag und Montag fühlte sich immer schon etwas taub an - der Laden hatte Ruhetag. Und auch wenn ich nicht immer gleich am Dienstagmorgen hingestürmt bin, so war es doch eine Konstante in meinem Leben, die dienstags zurückkehrte; die Möglichkeit, dort ein kurzes Schwätzchen zu führen. Das Leben nach dem Wochenende begann frühestens dienstags, mit Bananen und Endivien von Schramms.
Schramms haben in den letzten 11 Jahren, seit wir aus Kalifornien ins Bötzowviertel zogen, meine Kinder aufwachsen sehen, wussten, ob wir gesund oder krank waren, wer in der Familie gestorben ist. Oft haben wir aber auch nur gescherzt, über das Wetter gesprochen, dann und wann auch mal über die weltpolitische Lage, oder gefrozzelt, über Ost und West oder sowas. Als Kunden haben wir teilgenommen am wechselvollen und schweren Geschäft des Einzelhandels.
Am Anfang wirkte mir alles schrullig und altmodisch und es waren mir sowenige Waren, wo wir vorher immer im riesigen WHOLE FOODS MARKET alle erdenklichen Produkte in herrlich gestalteten Packungen einkauften und help out to the car bekamen. Das kann man jetzt hier auch überall haben - well, not the help out to the car, though und Tüten muss man auch immer noch selbst bepacken an der Kasse, und das ganz schnell, wenn der nächste Kunde drängelt - und schlecht gelaunt sind die Verkäufer meist auch (das war in Kalifornien undenkbar und eine absolute Wohltat).
Bei den Schramms war alles entschleunigt. Immer Zeit für ein Schwätzchen. Wir wurden mit Namen angesprochen, es war irre persönlich und Frau Schramm hielt am Ende gern die Tür für uns auf, wenn rechts und links alles voll bepackt mit Taschen war.
Die schreigrünen Preisaufkleber, die auf jedem Produkt prangten, nervten anfangs zu Hause, weil sie so laut ins Auge stachen. Schramms waren quasi auch auf dem Eßtisch präsent. So persönlich wollten wir es dann doch nicht.
Und jetzt, nach sovielen Jahren ist mir das Herz schwer, ich fotografiere die letzten Essigflaschen mit den grünen Bappern drauf.
Mann bin ich melancholisch, traurig, sentimental und fühle mich heimatlos - sch... Abschiednehmerei, es gibt zuviel davon in meinem Leben - und denke gleichzeitig, es sind immer noch Luxusprobleme.
Was sollen denn da die Flüchtlinge sagen, die mehr als einen Gemüseladen verloren haben?!
Ich weiß, ich weiß und weiß mir nicht zu helfen.
Sonntag, 22. November 2015
Buchempfehlung in extremen Zeiten
Dina Nayeris Roman, erschienen 2013 in New York unter dem Originaltitel A Teaspoon of Earth and Sea, beschreibt das komplizierte, fremdbestimmte Leben einer jungen Frau im postrevolutionären Iran, könnte aber streckenweise auch im Rakka dieser Tage angesiedelt sein.
Mittwoch, 18. November 2015
Auswege
Ein Onkel meiner kürzlich verstorbenen Oma mütterlicherseits wanderte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nach USA aus, um dort sein Glück zu suchen. Ein sogenannter Wirtschaftsflüchtling.
Dank der Initiative meiner Schwester und meines Bruders haben wir seinen Weg nachvollzogen und wissen, wann er auf Ellis Island gelandet ist.
Seit letztem Herbst ist er nun dort auf der AMERICAN IMMIGRANT WALL OF HONOR eingraviert.
Daran musste ich heute beim Hören eines sehr interessanten Beitrags im Deutschlandfunk denken.
Die Länderzeit wurde live * aus dem Deutschen Auswanderermuseum im Bremen - von dessen Existenz ich bis dato nichts wusste - gesendet und machte sehr deutlich: Wanderbewegungen in großem Umfang gab es immer.
Sie waren immer beschwerlich und oft stießen die Neuankömmlinge auf Ablehnung oder Argwohn.
So auch auf Ellis Island.
So erging es vielleicht zunächst auch unserem Onkel Kaspar. Er ist dort geblieben.
---------------- * die Abbildung auf der Website finde ich nicht geglückt; sie zeigt die seit Wochen zu sehenden Flüchtlingsbilder und stellt einen überdeutlichen Zusammenhang her, auf den man gerne selbst kommen würde - oder auch nicht.
Dank der Initiative meiner Schwester und meines Bruders haben wir seinen Weg nachvollzogen und wissen, wann er auf Ellis Island gelandet ist.
Seit letztem Herbst ist er nun dort auf der AMERICAN IMMIGRANT WALL OF HONOR eingraviert.
Daran musste ich heute beim Hören eines sehr interessanten Beitrags im Deutschlandfunk denken.
Die Länderzeit wurde live * aus dem Deutschen Auswanderermuseum im Bremen - von dessen Existenz ich bis dato nichts wusste - gesendet und machte sehr deutlich: Wanderbewegungen in großem Umfang gab es immer.
Sie waren immer beschwerlich und oft stießen die Neuankömmlinge auf Ablehnung oder Argwohn.
So auch auf Ellis Island.
So erging es vielleicht zunächst auch unserem Onkel Kaspar. Er ist dort geblieben.
---------------- * die Abbildung auf der Website finde ich nicht geglückt; sie zeigt die seit Wochen zu sehenden Flüchtlingsbilder und stellt einen überdeutlichen Zusammenhang her, auf den man gerne selbst kommen würde - oder auch nicht.
Freitag, 13. November 2015
Steigern was das Zeug hält! / Your Bid will hit the Benchmark
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| Ute Brönner Was da ist Leimholzplatte + beiliegender handgeschriebener Brief in verschlossenem Umschlag 20 x 21 x 1,5 cm / 3 x A4 / 22 x 11 x 0,3 cm 2015 Abb.: Jenaer Kunstverein |
Unfassbar niedrige Einstiegsgebote... also steigern, was das Zeug hält! -
Online, per Phone, vor Ort - ganz wie bei Christies und Sothebys:
Im Rahmen seiner regulären Herbstauktion veranstaltet der
Jenaer Kunstverein eine Benefizauktion
in Zusammenarbeit mit der Kunsthandlung Huber & Treff
zugunsten des Flüchtlings-Freundeskreises in Jena.
am 21. November 2015
um 16 Uhr
Stadtspeicher Jena, Markt 16
Der Jenaer Kunstverein stellte einen Objektträger aus Leimholz in den Abmessungen
20 cm x 21 cm x 1,5 cm zur freien Gestaltung zur Verfügung.
Die Leimholzbretter tragen auf einer Seite das Logo des Jenaer Kunstvereins als Brandzeichen.
Jedes der für die Benefizauktion gestalteten Werke ist ein Unikat.
Alle Werke werden zu einem unteren Limit von 25,00 Euro aufgerufen.
Der Jenaer Kunstverein spendet die Nettoerlöse aus der Benefizauktion dem Flüchtlings-Freundeskreis in Jena.
Vorbesichtigung:
Mi.-Sa. 18.11.-21.11.15, 12-16 Uhr, Do. bis 19 Uhr
Stadtspeicher Jena, Markt 16
Donnerstag, 12. November 2015
Dienstag, 10. November 2015
Hidden Gems I
I recently had the honor to participate in a guided tour through Karlstadt am Main, Frankonia, Bavaria.
It is one of those small towns I passed bye some hundred times without really visiting any of the cultural sites.
The tour offered insights to real tresures such as a superb fresco from the 15st century in a small church that belonged to one family of the town over many hundred years. One could just walk into this Spitalkirche and enjoy the silence.
Later, hidden in a side chapel of St. Andrews Church in the main square, we stood only centimeters away from original wooden sculptures by Tilman Riemenschneider (no copies!, the real thing).
The highlight of the whole tour for me was in the same church: a typical organ from the region, a so called 'Mainfränkische Orgel', showing 'Die Fratzen des Teufels', the devil's visages, as golden drawings right at the opening of each pipe where the sound would come out! No harder punishment for the devil than to sound out heavenly sounds!
I highly recommend to go and have a look some time. I love these gems which I find off the wellknown routes of art travelling; well it took me a long time to 'find' these one. Thank you Trixi!
It is one of those small towns I passed bye some hundred times without really visiting any of the cultural sites.
The tour offered insights to real tresures such as a superb fresco from the 15st century in a small church that belonged to one family of the town over many hundred years. One could just walk into this Spitalkirche and enjoy the silence.
Later, hidden in a side chapel of St. Andrews Church in the main square, we stood only centimeters away from original wooden sculptures by Tilman Riemenschneider (no copies!, the real thing).
The highlight of the whole tour for me was in the same church: a typical organ from the region, a so called 'Mainfränkische Orgel', showing 'Die Fratzen des Teufels', the devil's visages, as golden drawings right at the opening of each pipe where the sound would come out! No harder punishment for the devil than to sound out heavenly sounds!
I highly recommend to go and have a look some time. I love these gems which I find off the wellknown routes of art travelling; well it took me a long time to 'find' these one. Thank you Trixi!
Freitag, 6. November 2015
Wo sind die guten Entwürfe?
Die Wohnbaukrise ist da, viele hunderttausend Flüchtlinge wollen untergebracht werden - aber wo ist die Qualitätsdebatte?
An einen befreundeten Landschaftsarchitekten schrieb ich Mitte September, kurz nachdem klar wurde, es wird Modulbauweisen geben, durchaus resigniert:
"So ist das mit der Stadtplanung und all den Idealen - sie greifen nur in friedlichen Zeiten... eine nüchterne, wenngleich nicht neue Erkenntnis."
Niklas Maaks Artikel DIE STUNDE DER ARCHITEKTEN in der FAZ vom 6.11. fragt in die Runde, nach den Entwürfen und genau dieser Qualitätsdebatte.
Als jemand der Anfang der 90er für die Freiräume der Plattenbausiedlungen der ehemaligen DDR recht grundsätzliche Lösungen erarbeitet hat und dazu das Wesen und die Entstehung der Plattenbauten erforscht hat, denke ich: Im Modulwohnungsbau liegen durchaus Chancen - es gilt das Wissen, das wir darüber haben, anzuwenden, damit nicht nur gemetert wird, sondern qualitätvolle Stadträume entstehen.
Zum Nachlesen, insbes. die Zusammenfassung unserer Forschung seinerzeit im Atelier Loidl: http://www.100land.de/index.php/ger/texte/text/Das-Kleine-im-Grossen






