Wuchtige männliche Künstler haben, besonders im 20. Jahrhundert, eigenlich immer irgendwann ein Manifest geschrieben und einen -ismus begründet, dessen Vorreiter sie natrugemäß wurden. Weibliche und diverse Künstler:innen haben dies weniger getan, obwohl sie, wie Helen Frankenthaler, durchaus neue Strömungen in der Kunst entwickelt haben.
Vergangene Woche war ich in der geschichtsträchtigen und weltberühmten Druckwerkstatt des bbk
Berlin im Künstlerhaus Bethaninen, um ein neues Projekt zu entwickeln. Das ist immer ein Eintauchen in einen Prozess, von dem ich mich selbst staunend überraschen lasse, wobei er dennoch nicht völlig regellos verläuft. Es gibt einige Paramenter, die ich im Vorfeld definiere, weitere entstehen während des Druckprozesses im Lauf der Woche, die als Zeiteinheit die erste Festlegung ist. Da ist des Weiteren die Größe und Stärke des oder der Siebe, mit denen ich drucke.
Darüber hinaus ist es seit einigen Projekten quasi gesetzt, dass ich das gesamte Material, das während des Druckprozesses anfällt, zu Werken verarbeite: die gesamte Farbe, alle Vorlagen, alle Tests und alle Zwischenstufen.
Ich komme aus einer Familie von Kleinbauern, Winzern und Handwerkern. Wenn meine Oma ein Schwein schlachtete, war es selbstverständlich, dass das ganze Schwein verwertet wurde: Hirn, Milz, Zunge, Haxen... maximal alles, was verwertbar war und was der Herrgott uns geschenkt hatte. So mache ich es während meines Arbeitsprozesses. Es ist eine Frage von Nachhaltigkeit. Das beinhaltet, anders als beim Schlachten eines Schweines, einen großen Teil von Improvisation, was eine weitere Setzung in meiner Arbeitsweise ist. Improvisation und Freiheit in der Führung des Siebes, ganz ähnlich, wie die Regisseure der Nouvelle Vague die Kamera führten, lässt viel Raum für den Prozess in einem Druckverfahren zu, das in der tradierten Anwendung für maximale Kontrolle und genau vorbereitete Arbeitsprozesse steht.
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Ute Brönner, Geister, Installation (Teilansicht), Berlin, 2025 |







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